Mein Mann liebt mich nicht mehr.  Part 2

Written by Karl Lippert & SimonPutzMingoversum8753

25. März 2020

Katharina ist aufgewacht. In ihrem Kopf hämmert es, ihr Kopf fühlt sich schwer und dumpf an. Wie immer nach einem heftigen Streit mit Alfred, hat sie Kopfschmerzen. Das Bett neben ihr ist leer. Alfred ist bereits auf dem Weg in die Arbeit, er hat die Wohnung grußlos verlassen. Ja, gestern Abend ist ein Streit zwischen ihnen wieder einmal eskaliert. Sie kann sich gar nicht mehr daran erinnern, was überhaupt der Auslöser dafür war. Jedenfalls hat sie sich von Alfred nicht verstanden gefühlt, so viel weiß sie noch, und ihre Reaktion darauf. Mit Nachdruck hat sie versucht, Alfred von der Richtigkeit ihrer Sicht der Dinge zu überzeugen. Er hat dagegengehalten, wollte partout nicht auf ihre Argumente eingehen. Dann hat ein Wort das andere ergeben, Katharina ist laut geworden, die Tränen sind ihr in die Augen geschossen. Daraufhin ist Alfred verstummt, hat sich schmollend zurückgezogen und vor den Fernseher gesetzt. Sämtliche Versuche von Katharina, das Streitgespräch fortzuführen, hat er mit eiskaltem Schweigen abgeblockt. Funkstille, nicht mehr erreichbar. Katharina hat dann noch die Reste des gemeinsamen Abendessens, das sie zubereitet hatte, weggeräumt, frustriert über die fünfhunderteinundzwanzigste Auflage ihrer Auseinandersetzungen, die immer nach demselben Schema ablaufen: Sie versucht sich mit einem Anliegen verständlich zu machen, Alfred versteht sie nicht, teilt ihr seine Sicht der Dinge mit oder – noch schlimmer – präsentiert ihr Lösungen für ihr Problem. Sie wird drängender, Alfred bemüht sich noch mehr, wird vehementer, fühlt sich seinerseits nicht verstanden, liefert noch mehr Argumente. Was Katharina immer wütender macht … bis sie schließlich beide, auf ihre Art und Weise,verstummen. Die immer gleiche Spirale nach unten.

Beziehungs- & Liebesprobleme 

Was ist mit meinem Mann los?

Dabei waren die letzten beiden Wochen doch so verlaufen, dass Katharina Hoffnung geschöpft hatte, was ihre Beziehung betrifft. Sie hatte sich vor zwei Wochen für den Start eines Experimentes entschieden: sich jede Kritik an Alfred zu verkneifen und ihm – dort wo es für sie passte – ihre Wertschätzung auszudrücken; nicht alles, was Alfred tat, einfach zur Selbstverständlichkeit zu erklären, sondern es zu würdigen. Es war schwierig für sie, das durchzuhalten, und nicht nur einmal musste sie sich auf die Lippen beißen, um nicht in ihr altes Verhaltensmuster zurückzufallen. Zwei Dinge gab es aber in den letzten beiden Wochen, die sie total überrascht hatten. Sie bemerkte, dass
Alfred viel häufiger, als sie es in Erinnerung hatte, etwas tat, was sie freute, es davor aber offenbar gar nicht bemerkt hatte, weil ihr immer alles zu wenig erschien. Der bloße Vorsatz, nicht zu kritisieren, hatte den Effekt, dass sie aufmerksamer für die positiven Dinge in ihrer Beziehung wurde. Besonders erstaunt war sie über eine Reaktion, die sie bei sich selbst entdeckt hatte. Sie hatte das Tun von Alfred mehrmals wertgeschätzt, ohne Wenn und Aber. Und nach und nach bemerkte sie, dass ihr das sogar Freude machte, sie sich dadurch stärker und Alfred wieder näher fühlte. Er musste ihr geändertes Verhalten bemerkt haben, denn vorgestern hatte er ihr – nach langer Zeit – wieder einmal Blumen geschenkt, und sie hatten einen schönen gemeinsamen Abend verbracht. So wie sie es sich vorstellte und wünschte. Und dann gestern wieder dieser furchtbare Streit! Was hatte sie nur falsch gemacht?! Oder hatte sie vielleicht etwas übersehen? Muss es zwangsläufig so ablaufen, wenn man dem Partner sagt, was man möchte, was einem wichtig ist? 

Darauf gibt es eine einfache Antwort: Nein, muss es nicht! Allerdings braucht es für den Weg zu einer anderen Form von Auseinandersetzung einiges an Ausdauer, Mut und Wissen über die Zusammenhänge.

Was Katharina über die Dynamik in ihrer Beziehung wissen sollte?

Hinter jeder Kritik am Partner steckt ein unerfülltes Bedürfnis, ein Wunsch, eine Sehnsucht. Der Partner/die Partnerin soll (endlich!) das erfüllen, was man als Kind schmerzlich vermisst hat. Dieser Wunsch ist aber unbewusst und wird nicht als solcher kommuniziert, sondern als Defizit des Partners/der Partnerin ausgedrückt.

Wenn sich der Partner solcherart angegriffen fühlt, reagiert er mit seinem Schutzmuster. Diese Schutzmuster lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen: in das offensive und das defensive. Die Imago Beziehungs-Theorie verwendet hierfür die sehr eindrücklichen Bilder von „Hagelsturm“ und „Schildkröte“. Ein Hagelsturm versucht, wenn er sich nicht verstanden oder bedroht fühlt, mit Vehemenz zum Ziel zu kommen. Und die Schildkröten ihrerseits ziehen sich in ihren Panzer zurück, je stärker der Hagelsturm trommelt. Mit dem Ergebnis: der Kontakt ist unterbrochen. Wenn Katharina und Alfred sich in einem Streit einmal selbst beobachten könnten, würden sie bemerken, dass Katharina der Hagelsturm und Alfred die Schildkröte ist. Was nicht weiter überraschen sollte. Denn 95 Prozent aller Frauen sind Hagelstürme – und 95 Prozent der Männer sind den Schildkröten zuzuordnen. Die wenigen Ausnahmen bestätigen die Regel. Und: In jeder Beziehung gibt es immer einen Hagelsturm und eine Schildkröte, nie zwei mit demselben Schutzmuster.

Diese Schutzmuster sind nicht grundsätzlich abzulehnen. Sie hatten früher einmal ihre Berechtigung, dienten dem Kind früher dazu, emotional schwierige Situationen zu bewältigen. In der Erwachsenen-Beziehung sind sie aber fehl am Platz und üben eine zerstörerische Wirkung aus, vor allem deswegen, weil sie unbewusst ablaufen.

Was deine nächsten Schritte in eine liebevolle Beziehung sein könnten:

Vereinbare mit deinem Partner Zeiten für ein Gespräch.

Sei anfangs nicht zu ehrgeizig, was die Frequenz betrifft – vielleicht reicht es, wenn ihr Gespräche im Abstand von zwei bis drei Wochen vereinbart.

An den Beginn jedes Gesprächs stellst du eine Wertschätzung (du erinnerst dich?!).

Achte darauf, dass der Zeitpunkt für dieses Gespräch ein günstiger ist – ohne Druck von außen, ohne Notwendigkeit zur Eile.

Sorge dafür, dass ihr nicht gestört werdet (Telefon, Fernseher, Radio etc. abschalten; Kinder schlafen oder sind versorgt).

Setzt euch gegenüber, mit gutem Blick-Kontakt, in einer solchen Entfernung, dass Berührung möglich ist. 

Wählt als Thema für euer Gespräch, eines, das wichtig ist, gleichzeitig aber nicht das brennendste Problem in eurer Beziehung darstellt (du lernst ja mit dem Auto zu fahren auch nicht auf der SO-Tangente im Morgenverkehr!)

Jenes Thema, das von euch gewählt wird, entscheidet über die Verteilung der Rollen im Gespräch: Eine(r) ist SenderIn, der/die andere EmpfängerIn. In der Imago Beziehungsarbeit entfällt damit das so häufig praktizierte Ping-Pong-Spiel in Beziehungen: Wenn sie A sagt, sagt er B, worauf bei ihr C folgt und so weiter. Mit dem Ergebnis, dass die beiden einander nicht wirklich zuhören, sondern immer schon – während der andere spricht – die eigene Wortmeldung vorbereiten. Ergebnis? Bekannt!

Wenn der Sender spricht, hört der Empfänger so aufmerksam wie möglich zu und versucht (in kleinen Portionen!) das Gehörte zu spiegeln, d. h. möglichst genau zu wiederholen …

Vom ersten Verliebt-Sein bis zum Machtkampf & Beziehungsschmerz

Das hört sich für dich alles schwierig und seltsam an? Das hat ja gar nichts mit einem herkömmlichen Gespräch zu tun, so wie du es kennst? Ja, das ist richtig! Und genau deswegen, ist es deine Chance, ein anderes Verhalten im Gespräch zu erproben! Und es ist in deiner Entscheidung, ob du es ausprobieren möchtest! 100 Prozent Verantwortung sind gefragt!

 Warum empfehle ich dir das? Wenn es dir gelingt, in deiner Beziehung durch ein ruhiges Gespräch, in dem das aufmerksame Zuhören im Vordergrund steht, (wieder) Vertrauen und ein Gefühl der Sicherheit aufzubauen, dann kann dein Partner nach und nach auf sein Schutzmuster verzichten, mit dem er sich gegen Angriffe wehrt.

 

  • Wenn du mehr über den Imago Dialog, seinen Aufbau, den Ablauf und die Hintergründe wissen möchtest, dann kontaktiere mich! In einem persönlichen Gespräch – am besten mit deinem Partner gemeinsam (!) – können wir nach Wegen suchen, wie ihr in Zukunft jene Beziehung führen könnt, von der ihr schon immer geträumt habt!

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